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Anlagensicherheits-Report 2021

der Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS)

Liebe Leserinnen und Leser,

Dr. Joachim Bühler / (c) Tobias Koch

die neue Bundesregierung hat Großes vor: bis 2030 sollen 80 Prozent des Strommixes aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, die verbliebenen Kohlekraftwerke abgeschaltet und sich die Industrie mit Hilfe von grünem Wasserstoff auf einem klaren Dekarbonisierungskurs befinden.

Liest man den Koalitionsvertrag, wird klar, dass die kommenden Jahre einen echten technologischen Wandel bringen werden. Weg von Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung, hin zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz durch innovative Spitzentechnologie. Wer sich für Technik begeistert, freut sich in diesen Tagen über die Aufbruchsstimmung - und den großen gesellschaftlichen Konsens in einem Land, dem man so häufig eine gewisse Technikfeindlichkeit unterstellt. Diesen Vertrauensvorschuss dürfen wir nicht verspielen. Die Sicherheit von Windkraftanlagen, der Wasserstoffinfrastruktur oder der Elektromobilität ist die notwendige Bedingung der Energiewende.

Die Energiewende mit ihren vielen dezentralen, häufig von Sonne und Wind abhängigen Stromerzeugern, wird aber nur funktionieren, wenn die Digitalisierung weiter vorangetrieben wird. Ohne Smart-Metering und eine KI-gesteuerte Grundlastversorgung durch moderne Gaskraftwerke, werden wir im Dunkeln sitzen oder fossilen Strom in größeren Mengen importieren müssen. Praktisch jede Industrieanlage wird in irgendeiner Form in das „Internet of Things“ eingebunden sein.

Dass technische Anlagen in Deutschland sehr sicher sind, zeigt auch in diesem Jahr der Anlagensicherheits-Report mit den Ergebnissen der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen aller in Deutschland tätigen Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS). Damit das Sicherheitsniveau auch in Zukunft so hoch bleibt, müssen technische Innovationen bei unabhängigen Prüfungen stärker berücksichtigt werden. Das gilt allen voran für die Digitalisierung: Bits und Bytes sind in der Anlagentechnik mittlerweile ebenso sicherheitsrelevant wie Kilopascal und Torsionsspannung.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war im Juli 2021 die Verabschiedung eines eigenen Gesetzes für überwachungsbedürftige Anlagen, da es für alle Beteiligten – Hersteller, Betreiber und Prüforganisationen – die nötige Klarheit schafft. Mit Blick auf die Digitalisierung besteht aber weiterhin großer Handlungsbedarf. Gerade das letzte Jahr hat gezeigt, wo die Gefahren liegen. Ein Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern konnte wegen eines Cyberangriffs wochenlang keine Corona-Zahlen an das RKI melden. Kriminelle Hacker legten kritische Infrastrukturen wie Energieversorger oder Krankenhäuser lahm. Industrieunternehmen wurden erpresst und ausspioniert. Der Schaden durch die Sicherheitslücke Log4Shell ist noch gar nicht abzusehen.

Das zeigt: Wir brauchen dringend ein Sicherheitsupdate. Die Grundlagen - etwa mit einem starken System unabhängiger Prüfungen - sind längst vorhanden. Jetzt geht es darum, hohe, europaweit einheitliche Standards für die Cybersicherheit von Maschinen und Anlagen festzulegen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass das Sicherheitsniveau in zehn Jahren mindestens genauso hoch ist wie in diesem Anlagensicherheits-Report 2021!

Ihr

Dr. Joachim Bühler
Geschäftsführer TÜV-Verband e. V.

Ansprechpartner

Claudia Tautorus 
TÜV-Verband e. V.
Leiterin Industrie und Anlagentechnik
T +49 30 760095-420